Über uns - Nie zuvor haben so viele Unternehmen mit so vielen Worten so vielen Menschen so wenig gesagt.

7 Tipps für ein „Über uns“, das Kunden überzeugt

Da begegnet Ihr endlich Eurem Traummensch – und redet die ganze Zeit nur über Euch selbst. Macht Ihr nicht? Auf vielen „Über uns“-Seiten passiert genau das. Warum das "Über uns" Vertrauenssache ist und mit welchen 7 Tipps Ihr die Herzen Eurer Besucher erobert, das erfahrt Ihr hier.

Ein Blick in Google Analytics beweist: die „Über uns“-Seite gehört zu den am häufigsten besuchten Seiten. Viele Besucher rufen Sie gleich nach der Startseite auf. Logisch. Menschen kaufen Produkte und Leistungen nun einmal nur von Unternehmen, denen sie vertrauen. Und welche Seite wäre besser geeignet, sich ein Bild vom Unternehmen zu machen, als das „Über uns“?

Ein gutes „Über uns“ ist also Pflicht. Doch den meisten von uns fällt es schwer, sich selbst vorzustellen. Dass der Relaunch-Termin naht und alle anderen Seiten längst fertig sind, macht es auch nicht besser. Lasst uns das Problem also hier und heute lösen.

1. Es geht um das Vertrauen Eurer Besucher

Mit Eurer Website wollt Ihr ein Verhalten bei Euren Besuchern herbeiführen. Sie sollen einen Newsletter abonnieren, Euren Content auf Facebook teilen, etwas kaufen etc. Mit jeder dieser Entscheidungen macht sich der Besucher angreifbar. Er geht das Risiko ein, dass er den Newsletter nicht mehr los wird, dass er durch seinen Facebook-Beitrag sozialen Status einbüßt oder vom Verkäufer übers Ohr gehauen wird.

Das Zaubermittel, mit dem Ihr den Besucher zum Sprung über diese Hürde bringt, heißt „Vertrauen“. Aber was bedeutet das eigentlich? Bis ich an diesem Artikel arbeitete, hatte ich mich damit nie näher beschäftigt. Vertrauen ist Bauchsache, richtig?

Tatsächlich ist Vertrauen ein psychologisches Konzept, das sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt. Speziell in der Wirtschaftspsychologie geht es um:

1. Vertrauen in Eure Produkte und Leistungen dahingehend, dass sie den Anforderungen des Kunden gerecht werden
2. Vertrauen in Euer Unternehmen als Experte in seinem Fachbereich
3. Vertrauen darauf, dass Euer Unternehmen Geschäftsbeziehungen zum gegenseitigen Vorteil pflegt
4. Darüber hinaus bildet sich Vertrauen, wenn sich Menschen mit ihrem Gegenüber identifizieren können. Gemeinsame Werte, Ziele, Bedürfnisse, eine Gemeinschaft zwischen den Vertrauenden, Sympathie

Es versteht sich von selbst, dass alle Eure Seiten auf dieses Vertrauen hinarbeiten sollten. Dabei könnt Ihr auf Euren Produktseiten besonders effektiv an der ersten Komponente („Vertrauen in Eure Produkte“) arbeiten. Die „Über uns“-Seite leistet Euch insbesondere bei den Komponenten 2, 3 und 4 gute Dienste.

Auf der „Über uns“-Seite geht es also vor allem um den Besucher. Ihr wollt sein Vertrauen in Euer Unternehmen gewinnen. Überprüft alles, was ihr im „Über uns“ von Euch gebt, auf die Einhaltung dieses Grundsatzes.

2. Sagt in der Überschrift, was Euch unterscheidet

Nutzt die Aufmerksamkeit, die die Überschrift genießt! Stellt zum Beispiel eindeutig heraus, welchen Nutzen Ihr Euren Kunden bietet. Am besten ist das etwas, das Eure Mitbewerber so nicht können, oder zumindest nicht herausstellen. Schwieriger, aber ebenfalls toll: zeigt, wie sich Euer Unternehmen in seiner Art unterscheidet. So macht Ihr Eure Besucher neugierig und motiviert sie zum weiterlesen. Habt bei der Arbeit an der Überschrift – wie bei allen Euren Botschaften – die wahrscheinlichen Kaufmotive Eurer Zielgruppe im Auge.

Lesetipp: Das Blog des Raab Verlags über Motivatoren als Handlungsauslöser. Speziell den etwas weiter unten zu findenden Abschnitt über „Motivationsforschung als Bestandteil der Wirtschaftspsychologie“ solltet Ihr kennen.

Im Menü sollte die „Über uns“-Seite unter dieser Bezeichnung erscheinen. Sie hat sich im deutschen Sprachraum nach meiner Einschätzung eingebürgert und wird von Besuchern gesucht.

3. Knüpft in der Einleitung an die Überschrift an

Greift das Thema der Überschrift in den einleitenden Sätzen auf. Gerade wenn Ihr in der Überschrift etwas verkürzt formuliert habt, ist das Eure Gelegenheit, für Klarheit und Präzision zu sorgen. Gleichzeitig liefert Ihr Euren Besuchern damit eine inhaltliche Bestätigung der Überschrift.

4. Schafft Vertrauen mit Bewertungen, Referenzen etc.

Mit Überschrift und Einleitung habt Ihr vor allem Behauptungen aufgestellt. Nun geht es daran, diese zu untermauern. Das klappt am besten mit nachprüfbaren Fakten und Aussagen von Dritten. Beispiele:

  • Kundenbewertungen
  • Zitate von Kunden und Partnern über Euer Unternehmen
  • Auszeichnungen
  • Zertifizierungen
  • Vergleichstestergebnisse

Achtet darauf, dass es vor allem um Aussagen zu Eurem Unternehmen geht. Was sich in erster Linie einzelne Produkte und Leistungen bezieht, gehört auf die entsprechenden anderen Seiten.

5. Erst jetzt geht es im „Über uns“ um Euch

Ihr habt jetzt einen qualifizierten Leser vor Euch. Er weiß, was er von Eurem Unternehmen erwarten kann und worin Ihr Euch von Mitbewerbern unterscheidet. Er hat nachprüfbare Belege erhalten. Wer hier noch dabei ist, der ist wirklich an Euch interessiert!

Dieses Interesse könnt Ihr unterschiedlich nutzen:

  • Wenn Ihr es geschichtlich mögt, dann greift Ihr am besten die Meilensteine heraus, die Euer gewünschtes Außenbild untermauern. Verzichtet auf eine vollständige Darstellung der Historie Eures Unternehmens. Nicht: „1945 lag der Betrieb in Trümmern, aber bereits 1948 lief die Produktion schon wieder auf Hochtouren“. Besser: „Bereits 1959 nahmen wir mit der Haloid Xeros eine der ersten, digitalen Kopiermaschinen in unserer Druckerei in Betrieb“.
  • Wenn Euch eine lange Unternehmensgeschichte fehlt, wie wäre es dann mit einer Schilderung von Werten und Vorstellungen? Aber bitte keine Platitüden über „Service“, „Qualität“ und „Mitarbeiter als wichtigstes Kapital“. Lieber belegbares: „Effizienz geht uns vor Image. Deshalb nutzen wir günstige Home-Offices im Grünen, fahren einfache Firmenwagen und kaufen Büromöbel auch mal gebraucht“.
  • Auch eine Vorstellung Eures Teams kann hier nützlich sein. Das gilt gerade für Dienstleistungsunternehmen, wo es besonders auf das Verhältnis von Kunde und Mitarbeiter ankommt. Zeigt Euren Besuchern zumindest die Team-Mitglieder, die im Kundenkontakt stehen.
  • Insbesondere im Dienstleistungsbereich interessieren sich Eure Besucher vielleicht dafür, wie Ihr arbeitet. Sie sind keine Branchen-Experten. Deswegen könnt Ihr ruhig über Dinge sprechen, die Euch banal erscheinen, die aber für einen Außenstehenden neu und wichtig sind.

Denkt bei allen Euren Ideen daran, dass es auch hier ausschließlich um das Vertrauen Eures Besuchers geht! Speziell der Versuch, auf der „Über uns“-Seite etwas zu verkaufen, geht meistens nach hinten los.

6. Sagt, wie es danach weitergeht

Wenn ein Besucher eine Seite gesehen hat, stellt er sich immer die Frage: „Wie geht’s weiter“? Auch das „Über uns“ bildet hier keine Ausnahme. Am besten bietet Ihr Euren Besuchern deshalb eine klare Handlungsempfehlung, den Call to Action.

Je nach Website können es ganz unterschiedliche Aktionen sein, zu denen Ihr hier aufruft, beispielsweise:

  • Newsletter abonnieren
  • Beratungstermin vereinbaren
  • Rückruf anfordern
  • Produktbeschreibung ansehen
  • PDF herunterladen
  • aktuelle Blog-Beiträge ansehen

Gestaltet den Call to Action so, dass er optisch ins Auge fällt. Also zum Beispiel mit einem Formular, wenigstens aber einem bunten Knopf.

7. Sprachstil und Design

„Die Rosenheim-Cops“ sind eine TV-Serie und „Breaking Bad“ auch. Trotzdem trennen beide Welten. Recht ähnlich verhält es sich mit Eurem „Über uns“. Je nach Gestaltung kann es ganz unterschiedlich wirken. Was konkret passiert ist eine Frage des eigenen Anspruchs und der Liebe zum Detail. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel:

  • Schreibt Ihr in der dritten Person über Euer Unternehmen, dann wirkt das hölzern und in etwa so emotional wie die Tagesschau („Die XYZ GmbH ist ein Unternehmen, das …“). Die erste Person wirkt aktiver und kommt deshalb meistens besser rüber („Wir …“, bei Einzelkämpfern auch „Ich“).
  • Viele Porträt-Fotos, Namen und Positionen – fertig ist eine Team-Beschreibung, mit der Euer Unternehmen vor allem groß und einflussreich wirkt. Möchtet Ihr persönlicher wirken? Dann stellt Ihr Eure Mitarbeiter mit jeweils ein oder zwei Sätzen vor und zeigt auch ihre Kontaktdaten.
  • Eine rein textliche Auflistung der Meilensteine aus der Unternehmensgeschichte ist nett. Bebilderte Meilensteine, womöglich sogar auf einem animierten Zeitstrahl, lassen Euch deutlich moderner wirken.
  • Wenn Ihr das „Über uns“ mit einem Bild Eures Firmengebäudes dekoriert, dann wirkt das häufig konservativ (sieht man eben sehr oft) und unpersönlich. Bedenkt auch, wie das Gebäude selbst wirkt. Modern oder alt, gepflegt oder ungepflegt – Besucher werden diese Eigenschaften zumindest unbewusst auf Euer Unternehmen übertragen. Wahrscheinlich gibt es auch in Eurem Unternehmen bessere Fotos.

Bilder, Videos, Animationen – Eure Besucher haben sich längst daran gewöhnt, dass das Netz multimedial ist. Denkt daran auch bei der Entwicklung Eures „Über uns“ und liefert nicht bloß Text. Euer „Über uns“ wirkt sonst langweilig und aus der Zeit gefallen. Eben wie ein Rosenheim-Cop und nicht wie Walter White.

© Aufmacher-Foto Yutaka Seki via Flickr Creative Commons Attribution 2.0 Generic.

2 thoughts on “7 Tipps für ein „Über uns“, das Kunden überzeugt

  1. Hallo Tim,

    nach deinem Besuch auf meinem Blog schaue ich natürlich auch bei dir gerne mal vorbei. Toll, dass du so viele Beispiele aufführst. Gibt es einen besonderen Grund, warum sie alle aus dem englischen Sprachraum stammen?

    Einzig die Referenzen wären meiner Meinung nach in einem Extra-Menüpunkt besser aufgehoben (wie du am Beispiel „Ragged Edge“ ja selbst schreibst). Besonders gut gefällt mir dafür der Tipp, schon in der Überschrift zu überzeugen. Viele schreiben da ja nur „Über uns“.

    Viele Grüße
    Annika

    PS: Wo ist eigentlich deine eigene Über-mich-Seite? 😉

    1. Hey Annika, danke für Dein Feedback. Die Beispiele stammen von http://bestaboutpages.com, da habe ich mir einfach die Recherche ein klein wenig mit erleichtert. Aber das Bloggen öffnet mir so langsam die Augen. Ich halte eher nach Beispielen Ausschau, wenn ich surfe und vielleicht kann ich das eine oder andere noch durch deutschsprachige ersetzen.

      Die Referenzen auf einer eigenen Seite finde ich super. Aber ich hatte ja schon drüben bei Dir geschrieben, dass ich da Redundanzen gegenüber offen bin. Ich finde, man kann zum Beispiel eine Sammlung von Kunden-Logos im „Über uns“ sammeln und ausführlichere Projektberichte auf einer „Referenzen“-Seite.

      Meine eigenes „Über mich“ ist zu ca. 30% fertig. Ich hab mich kurz gefragt, ob ich mich traue und den Beitrag vorher veröffentliche – und prompt fällt’s Dir auf 😉

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