Apple Mail für IMAP einrichten

Der Umstieg auf Apple Mail fällt nicht leicht, gerade wenn man seine Post per IMAP abholt und einen guten Client wie Thunderbird gewohnt ist, der mit seiner Identitäten-Funktion auch die gleichzeitige Nutzung mehrerer E-Mail-Adressen und Signaturen ermöglicht. Dabei erlaubt auch Mail.app viel mehr als die Oberfläche auf den ersten Blick vermuten lässt. Hier ein paar Tipps dazu. Ich nutze Apple Mail unter Mac OS X 10.4.10 mit Courier-IMAP-Server, aber vieles von dem was folgt lässt sich auch auf andere Konfigurationen übertragen.

Mail.app und Courier-IMAP-Server

Der Courier-IMAP-Server verwendet einen (RFC-konformen, aber eben besonderen) Namespace namens “INBOX”, was dazu führt dass Mail.app alle Ordner als Unterordner des Posteingangs anzeigt. Das lässt sich beheben in dem man unter Mail > Einstellungen > Accounts > Erweitert > IMAP-Pfad-Präfix “INBOX” einträgt. Bei manchen Nutzern scheint Mail.app Probleme zu bereiten wenn diese Änderung auf ein nicht mehr jungfräuliches IMAP-Konto angewendet wurde. Am besten löscht man also das ganze Konto, legt ein neues an und gibt dabei ein falsches Passwort für den Zugriff auf den IMAP-Server an. So verhindert man, dass Mail.app sich mit dem Server verbindet und die Ordnerliste runterzieht ohne den korrekten Namespace zu kennen. Dann trägt man den Namespace in den Einstellungen ein, korrigiert das Passwort und verbindet Mail.app anschließend mit dem Server. Und schon zeigt es alle Ordner wie gewohnt auf der selben Ebene an.

Papierkorb & Co auf dem IMAP-Server

Einer der größten Vorteile von IMAP ist, dass neben der Inbox auch Ordner wie die gesendeten Nachrichten, Entwürfe, der Papierkorb und sogar der Junk-Mail-Ordner auf dem selben Server liegen und von überall her zugänglich sind. Das geht auch mit Mail.app, doch die entsprechende Option drängt sich einem nicht gerade auf. In der Ordnerliste klickt man den Eintrag “Trash” mit der linken Maustaste an und wählt anschließend aus dem Menü “Postfach” den Eintrag “Dieses Postfach verwenden für > Papierkorb”. Spätestens nach einem Neustart der Anwendung erscheint der Trash-Ordner dann unter dem neuen Namen. Für die anderen Ordner verfährt man genauso. Außerdem sollte man unter Mail > Einstellungen > Accounts > Postfach-Verhalten die passenden Optionen aktivieren, damit die jeweiligen Mails auch tatsächlich auf dem IMAP-Server landen.

Vorlagen für Mail.app

Anders als Thunderbird kennt Mail.app keinen Vorlagen-Ordner, in dem sich Muster-E-Mails speichern lassen. Man kann diese Funktion aber simulieren. Dazu erzeugt man einen Ordner namens “Vorlagen” o.ä. Dann schreibt man die Mail mit dem gewünschten Text und speichert sie ab. Sie landet dadurch im “Entwürfe”-Ordner. Von dort aus lässt sie sich in den Vorlagen-Ordner verschieben. Um nun eine Nachricht auf Basis der neuen Vorlage zu schreiben markiert man die Mail im Vorlagen-Ordner und klickt auf E-Mail > Erneut senden. Natürlich lässt sich der Inhalt vor dem Versand noch wie gewohnt bearbeiten.

Mehrere E-Mail-Adressen pro Account

Nicht wenige Nutzer sammeln Mails die auf verschiedenen E-Mail-Adressen eingehen in einem einzigen IMAP-Posteingang. Thunderbird unterstützt diesen Ansatz besonders elegant mit der Identitäten-Funktion, bei der sich Einstellungen für E-Mail-Adresse, Absender-Name und Signatur in jeweils einer Identität zusammenfassen lassen. Sind einem Mail-Account (Postfach) mehrere Identitäten zugeordnet verwendet Thunderbird beim Beantworten einer Nachricht jeweils die Identität, welche die E-Mail-Adresse beinhaltet über die die ursprüngliche Nachricht einging.

Langer Rede kurzer Sinn: So ähnlich geht das auch mit Mail.app, aber die Einrichtung ist komplizierter. Die schlechte Nachricht zu erst: Je Account wird nur ein Absendername unterstützt, d.h. man kann nicht über E-Mail-Adresse 1 als “Timmi” antworten und über E-Mail-Adresse 2 als “Tim Kaufmann”. Die verschiedenen E-Mail-Adressen trägt man in Mail.app unter Mail > Einstellungen > Account-Informationen > E-Mail-Adresen ein. Sie werden hintereinander geschrieben und durch Kommata getrennt, also bspw. “ich@mich.de, privat@heimat.de, myself@hobby.com”. Diese Mail-Adressen stehen ab sofort beim Schreiben und Beantworten von Nachrichten in einem Auswahl-Menü innerhalb des Mail-Bearbeitungsfensters zur Verfügung. Beim Antworten auf Nachrichten wählt Mail die richtige Absenderadresse automatisch aus. Fehlen nur noch unterschiedliche Signaturen.

Signaturen per Keyboard-Shortcut auswählen

Unterschiedliche Signaturen je E-Mail-Adresse kann Mail.app zwar nicht verwalten, doch mit ein wenig Konfigurationsarbeit lässt sich eine mit dem Thunderbird-Komfort vergleichbare Lösung stricken. Als erstes klickt man sich über Mail > Einstellungen > Signaturen zu den entsprechenden Optionen vor. Dann legt man zum vorhandenen Mail-Account so viele Signaturen an wie notwendig und editiert den Inhalt nach Wunsch. Ich habe die Signaturen nach der Mail-Adresse benannt zu der sie gehören, so dass sie sich später eindeutig identifizieren lassen.

Standardmäßig wählt Mail.app beim Senden einer Nachricht automatisch die erste dem Account zugeordnete Signatur aus. Wer eine andere Signatur aktivieren möchte kann das über ein Auswahlmenü im Mail-Fenster tun. Der dazu notwendige Griff zur Maus bremst die Arbeit aber unnötig aus. Dass man sich auch für Signaturen einen Keyboard-Shortcut anlegen kann scheint aber seltsamerweise wenig bekannt. Dazu schliesst man als erstes Mail, öffnet dann die Systemeinstellungen > Tastatur & Maus und klickt auf das “+”-Zeichen. Bei “Programm” wählt man “Mail” aus. Bei Menü trägt man den Signatur-Namen genauso ein wie man ihn zuvor in den Mail-Einstellungen vergeben hat. Anschließend sucht man sich noch eine hübsche Tastenkombination aus (bspw. F1 für die erste Signatur, F2 für die zweite …) und verlässt die Systemeinstellungen dann wieder – fertig.

Mail.app und IMAP-Idle

Eigentlich ist es nicht wirklich elegant, dass die meisten Mail-Programme den Server in festgelegten Abständen nach neuer Post fragen. Viel schöner ist es, wenn der Server selbst Bescheid sagt, sobald eine neue Nachricht eingeht. Manche IMAP-Server unterstützen dazu das IMAP-Idle-Verfahren. Für Mail.app gibt es das IMAP-Idle-Plugin, das diese Funktion nachrüstet.

Mail.app checkt IMAP-Unterordner

Damit Mail.app neben dem Posteingang auch die anderen IMAP-Ordner beim Abholen der Post auf neue Nachrichten checkt gibt es die Option “Geänderte Postfächer automatisch synchronisieren” unter Mail > Einstellungen > Account > Erweitert. Leider funktioniert das nicht bei allen Benutzern, vielleicht hakt es einfach beim Zusammenspiel mit bestimmten IMAP-Server-Softwares. Wie auch immer, mit dem Plugin IMAPCheck kann man Mail.app auf die Sprünge helfen. Das gezielte Abonnieren bzw. Kündigen von Abonnements einzelner Ordner beherrscht Mail.app aber auch trotz dieses Helferleins nicht.

3 Reaktionen zu “Apple Mail für IMAP einrichten”

  1. Roger

    Vielen Dank für deinen Bericht, ist genau das was ich gesucht habe.

  2. fortrabbit-frank

    Super Wissensquelle, wir als hoster wissen ein lied von den kleinen mail.app macken zu singen.

    toll wäre mal eine aktualisierung, einiges scheint mir outdated. mail.app kann meinesachtens IDLE inzwischen in version 4.2 unter snow leopard.

  3. Christian

    Hey Tim,
    wirklich alles super erklärt! War auch was ich gesucht habe.
    Man könnte von Apple erwarten, dass man ein Mailprogramm benutzerfreundlicher gestaltet.
    Ja, Mail kann mittlerweile IDLE. Kann man unter Einstellungen-> Account -> Erweitert einstellen (Haken setzen).

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